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Geschichte der Ortswehr 17
Freiwillige Feuerwehr Grafenwald

Im Kriegsjahr 1940 wurde im Bottroper Ortsteil Grafenwald die Freiwillige Feuerwehr, Löschgruppe Grafenwald, in der Gaststätte "Haus Buschler" gegründet.
Unter dem Wahlspruch "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" fanden sich 13 Grafenwälder zur "Außengruppe Grafenwald" der Freiwilligen Feuerwehr Kirchhellen zusammen.

Die Ausrüstung der "Außengruppe Grafenwald" war zunächst recht spärlich. Mit einer Handdruckspritze, die von einem Traktor gezogen werden konnte und von der Wehr Kirchhellen-Mitte in Grafenwald stationiert worden war, konnten nur kleinere Brände gelöscht werden. Bis zur Schaffung eines "Geräteraumes für die  Feuerwehr Grafenwald" auf dem Schulhof der Grundschule im Jahre 1941 war die Spritze mit Spaten, Schläuchen, Feuerpatschen und Standrohr sowie der später angeschafften Hakenleiter und Anstellleiter auf dem Hof Wieschermann, Sensenfeld, untergebracht.
Die Ausstattung der Männer verbesserte sich schnell mit der Anschaffung der ersten persönlichen Schutzausrüstung im Jahre 1941, die aus Steigergurt mit Beil, Beiltasche und Nothaken sowie Schutzhelm und Arbeitshandschuhen bestand. Schon 1943 wurde die altersschwache Handdruckspritze durch eine -Balke- Motorspritze mit einer Leistung von 600 Liter/Minute ersetzt.

Wegen der Erforderlichkeit des Brandschutzes schlossen sich schnell weitere Grafenwälder der Gründungsgruppe an und füllten so die Lücken, die durch die Einberufung zur damaligen Wehrmacht entstanden waren. In den Kriegsjahren 1939 - 1945 schwankte die Mitgliederzahl der Wehr zwischen  30 - 40 Kameraden.

Mit der Fertigstellung des neuen Gerätehauses in Kirchhellen im Jahre 1961 wurde das technische Gerät der "Außengruppe Grafenwald" aus Grafenwald abgezogen und in Kirchhellen untergestellt. Der Geräteraum wurde aufgelöst.

Die Alarmierung erfolgte zur damaligen Zeit über Großraumsirenen. An der "Sammelstelle" (Haus Buschler) wurde der von Kirchhellen per Telefon übermittelte Einsatzort bekanntgegeben und von dort mit Fahrrad, Moped, Traktor oder Auto angefahren. Mit der Wehr Kirchhellen-Mitte, die mit den Feuerwehrfahrzeugen und Gerätschaften ausrückte, wurden die Einsätze bewältigt.

Im Zuge der Gebietsreform im Jahre 1975 wurde die Freiwillige Feuerwehr Kirchhellen und damit auch die Löschgruppe Grafenwald in die Organisation der Feuerwehr Bottrop übernommen und Mitglied im Stadtfeuerwehrverband e.V..

Nach großen Zeltfesten zum 25jährigen Bestehen 1965 und 40jährigen Bestehen 1980 konnte die Freiwillige Feuerwehr Grafenwald im August 1990 ihr 50jähriges Bestehen ebenfalls mit einem Zeltfest feiern, dem auch der Verbandstag des Stadtfeuerwehrverbandes Bottrop e.V. angeschlossen war.

Im Laufe der jetzt 60 jährigen Vereinsgeschichte sind vielfältige Änderungen in der Anforderung an Mannschaft und Gerät aufgetreten. Die Ausbildung wurde und wird immer breiter gefächert. Die Ausrüstung ändert sich und passt sich dem Standard an, wenn auch manchmal nur schleppend.

So wurde die Ortswehr Grafenwald im Jahre 1976 mit Funkmeldeempfängern ausgerüstet, die die Großraumsirenen ablösten und dadurch eine durchgehnde "stille Alarmierung" ermöglichten.

Ebenfalls im Jahre 1976 wurde der Wehr ein LF 16 TS zugeteilt, das jedoch wegen einer fehlenden Fahrzeughalle zunächst auf der Feuerwache I (Berufsfeuerwehr) und danach in einem ehemaligen Straßenbahndepot untergestellt war.

Im Jahre 1978 wurde der Fahrzeugpark durch ein TLF 8 (Unimog) erweitert. Auch dieses Fahrzeug  musste zunächst in Bottrop untergestellt werden.

Mit Anerkennung der Ortswehr Grafenwald im Jahre 1979 als selbständige Ortswehr wurde der Ausrückebereich der Freiwilligen Feuerwehr Kirchhellen-Mitte aufgeteilt. Die Ortswehr Grafenwald erhielt einen eigenen Ausrückebereich nach der Alarm und Ausrückeordnung.

Im November 1981 gab es "grünes Licht" für den Bau einer Fahrzeughalle als ersten von zwei Bauabschnitten. Dieser erste Bauabschnitt konnte im September 1983 der Bestimmung übergeben werden. Nach einer "finanziellen Zwangspause" konnte nach einer Bauzeit von 8 Monaten der Bauabschnitt II, die Sozial- und Schulungsräume, eingeweiht werden, sodass der Wehr seit Mai 1988 ein eigenes Gerätehaus zur Verfügung stand. 

Beide Bauabschnitte wurden von den Kameraden der Ortswehr Grafenwald unter der Leitung des damaligen Ortswehrführers Alois Bromkamp in Eigenleistung erstellt. Da bei der Stadt Bottrop wegen der Eigenleistung nur die Kosten für das Material anfielen und ihr eine erhebliche Summe für die Erstellung des Gerätehauses erspart blieb, verlieh der Bund der Steuerzahler der Ortswehr Grafenwald 1985 den "Eisernen Steuergroschen".

Mit Verfügung vom 29. März 1988 wurde die Sollstärke der Freiwilligen Feuerwehr Grafenwald auf  Zugstärke festgelegt. Nach Anerkennung der Ortswehr als Löschzug wurde der damalige Ortswehrführer Werner Rebbelmund zum ersten Löschzugführer in Grafenwald ernannt.

Im Jahre 1990 wurde der Fahrzeugbestand der Ortswehr Grafenwald ausgetauscht. Für die alten, ausgedienten Fahrzeuge wurden aus den Beständen des Katastophenschutzes ein neues LF 16 TS und ein neuer RW 1 gestellt. Aus kommunalen Mitteln wurde ein TLF 8/18 bereitgestellt, das anlässlich des 50jährigen Jubiläum feierlich auf den Namen "Werner", dem Namen des damaligen Ortswehrführers getauft wurde. Diese drei Fahrzeuge sind auch heute noch im Bestand der Wehr. * Seit September 2001 steht der
Ortswehr Grafenwald auch ein Unimog mit Ladekran zur Verfügung.

Mit dem 40jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Grafenwald im Jahre 1980 schaffte sich die Ortswehr eine Fahne an, die auf der einen Seite den Wahlspruch "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" mit dem Schutzpatron der Feuerwehr, dem heiligen Florian, und auf der anderen Seite den Namenszug der Wehr mit den Gründungsdaten als Zeichen der Beständigkeit zeigt.

Neben der Bewältigung von Einsätzen und der ständigen Aus- und Fortbildung stellt sich die Ortswehr Grafenwald immer wieder mit Erfolg Leistungs- und Vergleichswettkämpfen. Als Freiwillige Feuerwehr mit einer jetzt 60jährigen Geschichte ist die Ortswehr ein fester Bestandteil in allen Bereichen des Lebens der Grafenwälder Bevölkerung geworden. Sie ist immer wieder Ansprechpartner, nicht nur wenn es brennt.

Der von Hauptbrandmeister Heiner Overbeck geführten Wehr gehören heute *36 aktive Kameraden und 9 Kameraden der Altersriege an.

Quelle: Festschrift "75 Jahre Berufsfeuerwehr Bottrop"

* Nachträglich eingefügt